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Tag 1

Von der Quelle bis nach Fridingen - 106 km

Übernachten dürfte ich im Zelt direkt an der hydrologischen Quelle der Donau, die zu dem Zeitpunkt noch Breg heißt. Familie Dold betreibt hier das wunderschöne Höhengasthaus Kolmenhof an der Donauquelle, das alleine schon einen Besuch wert ist. Von der Quelle geht es rasant bis Furtwangen bergab, dann entlang des Breg-Radwegs bis ins schmucke Donaueschingen, wo der Startpunkt des Donauradwegs ist. Wieder mal ein Ort, den ich noch nie besucht hatte. 
Über die Donauversickerungen bei Immendingen kam ich am frühen Abend in Mühlheim a.d. Donau an. Kleiner netter Ort, hoch gelegen über der Donau, mit tollem Ausblick. 
Highlight des Tages waren sicherlich die letzten 5-6 km auf dem Weg zum Jägerhaus (eine einzel stehende Hütte mitten im Donautal), denn ab hier schlängelt sich die Donau für knapp 40 km durch hochaufragende Kalksteinwände hindurch. Krönender Abschluss war der malerische Sonnenuntergang ...

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Tag 2

Von Fridingen bis Mengen - 65 km

Da ich am ersten Tag sehr viel Sonne abbekommen habe, war ich ganz froh, dass es am Morgen bewölkt war. Von meiner Unterkunft aus waren es nur drei Kilometer bis ins Kloster Beuron, das eindrucksvoll zwischen den Kalksteinfelsen im Donautal liegt. Für fast zwei Stunden ging es zusammen mit Pater Sebastian durch das Kloster. Es war unglaublich interessant, in den Alltag der Mönche einzutauchen. Hier alles wieder zu geben, würde den Rahmen sprengen, nur eine kleine Geschichte, die ich gelernt habe. Habt ihr euch jemals Gedanken gemacht, woher der Spruch "Klappe halten - sonnst kracht's" kommt? Der Ausspruch stammt aus dem frommen Mittelalter. Er geht darauf zurück, dass im Chorgestühl der Kirchen Klappsitze angebracht waren, die möglichst geräuschlos heruntergeklappt werden sollten. Wer die Klappe beim runterklappen fallen ließ, verursachte einen ziemlichen Lärm und zog sich durch den entstehenden Krach den Zorn der Kirchlichen Würdenträger zu. Sie tadelten den armen Sünder mit den Worten: ”Halt die Klappe!"

Auf dem Weg nach Sigmaringen kam ich aus dem Staunen nicht mehr raus, die sich mir bietende Kulisse raubte mir den Atem und ich bin immer nur wenig Meter weit gekommen, bevor ich wieder anhalten musste, um die Kamera raus zu holen. In Sigmaringen dann das nächste Highlight, hoch über der Stadt thront das Schloß Sigmaringen, ein ehemaliges fürstliches Residenzschloss der Hohenzollern.

Nach Sigmaringen weitet sich die Landschaft und ich ließ die Kalksteinformationen hinter mir. Es ging für mich noch weiter nach Mengen, wo ich am Abend noch eine Führung durch das Gaggli NudelHaus und die Fabrik bekam. Als alter "Sendung mit der Maus"-Fan, bin ich mit leuchtenden Kinderaugen durch die Fabrik gelaufen.

Zum Tages-Abschluss ging es noch zum Seelen-Schorsch ins Seelen Häusle, wenn ihr Hunger habt, ein Must-Do. 
Für alle Nicht-Schwaben: Die Seele ist ein baguetteartiges Weißbrotgebäck der schwäbischen Küche aus Dinkel, das aus dem Oberschwäbischen stammt...

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Tag 3

Von Mengen bis Ehingen - 55 km

Nach einem kurzem Frühstück ging es für eine Stunde durch Mengen. Das Beste an der Führung war mein Stadtführer Rüdiger Hartmann, der sich mit den Worten vorstellte: 
"Hallo ich bin der Rüdiger, Stadtführer in Mengen. Ich bin zwar nicht der beste Stadtführer, aber der Einzige!" 
Ihr könnt euch also vorstellen, dass es eine sehr unterhaltsame Stunde in der Stadt war. Nach den ersten Tagen war die Strecke sicherlich nicht so atemberaubend, wie auf den Kilometern zuvor, aber trotzdem sehr sehenswert. Auf der Etappe ging es durch malerische Orte wie Riedlingen oder Munderkingen. Ich glaube alleine an dem Tag habe ich um die 50 Störche gesehen.

Die Etappe endete in der Bier-Kultur-Stadt Ehingen, mit Übernachtung im schmucken Bier-Kultur-Hotel (Anmeldung im WLAN: User: Bier; PW: Bier).

Brauereimeister Michael Miller gab mir noch einen spannenden Einblick in die Kunst des Bierbrauens, so habe ich unter anderem gelernt, dass einige Biersorten einen Reifeprozess von über einem Jahr durchlaufen müssen. Michael stellt, neben den unterschiedlichsten Biersorten, aber auch noch u.a. Bier-Likör, Bier-Gelee (für's Frühstück), Bier-Essig oder auch Bierkosmetika (wie Shampoo oder Seife) her. 
Abends dann noch den Finaleinzug Kroatiens angeschaut und es gab sogar einen hupenden Fahrzeugkorso durch die Stadt (hörte sich nach drei bis vier Autos an).
Da ich im Verlauf der Reise noch durch Kroatien radle, hoffe ich, dass sie nun auch das Finale gewinnen ...

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Tag 4

Von Ehingen bis Blaubeuren/Ulm - 35 km

Direkt nach dem Frühstück habe ich für eine Stunde das Konvikt, ein ehemaliges Benediktiner Kollegium besucht.

Den Tag über bin ich mit Johannes aus Blaubeuren geradelt, der mich den Tag über begleitete und bei dem ich nächtigen durfte.

Die Karsthöhle Hohler Fels liegt etwa einen Kilometer östlich des Stadtkerns von Schelklingen (Alb-Donau-Kreis). Sie ist seit dem 19. Jahrhundert einer der bedeutendsten archäologischen Fundplätze des Jungpaläolithikums in Mitteleuropa und ich durfte den Archäologen bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. In dieser Höhle hielten sich bereits vor 80.000 Jahren Neandertaler auf.

Bedeutendster Fund in der Höhle war sicherlich die Venus. Das ist eine etwa sechs Zentimeter hohe, aus Mammut-Elfenbein geschnitzte Venusfigur, die im September 2008 bei Ausgrabungen in der Höhle entdeckt wurde.
Die Figur ist in etwa 40.000 Jahre alt und kann im Urmu (Urgeschichtliches Museum Blaubeuren) besichtigt werden.
Damit gehört die Venus vom Hohlefels zu den weltweit ältesten Darstellungen des menschlichen Körpers.

Abends ging es noch durch das wirklich schöne Blaubeuren. Highlight sicherlich der Blautopf. Bekannt ist der Blautopf für die je nach Lichteinfall mehr oder weniger intensive, aber immer auffallend blaue Farbe seines Wassers. Unterhalb des Blautopfes erstreckt sich ein gigantisches Höhlensystem. Aktuell wurden 14 km entdeckt, die Forscher gehen aber davon aus, dass es noch viele Kilometer länger ist.

Mein Tipp: Im Urmu läuft ein 15-Minuten Film über die Erforschung der Höhle in Dauerschleife. Unbedingt anschauen!

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Tag 5

In Ulm und um Ulm und um Ulm herum

Es war der bisher kürzeste Radltag. Von meiner Privatunterkunft in Blaubeuren waren es nur 20 km bis in die Zweilandstadt Ulm/Neu-Ulm.
Mein Tipp, wenn ihr auf dem Donauradweg unterwegs seid, nehmt auf jeden Fall den Abstecher über Blaubeuren, es lohnt sich.
In Ulm angekommen, traf ich auch meinen geschätzten Kollegen Matthias von TravelTelling, mit dem ich den gesamten Tag unterwegs war.
Ulm ist bekannt für das gotisches Münster, dessen Kirchturm mit 161,53 Metern der höchste der Welt ist. Ganze vier Meter höher als der Kölner Dom. 
Um genau zu sein, muss man bei Ulm auch Neu-Ulm nennen. Während Ulm in Baden-Württemberg liegt, befindet man sich Neu-Ulm bereits in Bayern. Die Grenze bildet hierbei natürlich die Donau. 
Besonders angetan war ich vom Fischer- und Gerberviertel. Den Besucher erwarten eine Fülle an Gassen, Brücklein und natürlich Fachwerk im Überfluss. Und das schiefste Hotel der Welt, das sogar einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde hat.
Meine Ankunft hatte ich gut geplant, denn es lief das Donaufest, das sowohl in Ulm, wie auch in Neu-Ulm stattfindet. Abends ging es noch mit Kajaks auf die Donau und durch die Stadt hindurch. Wir haben sogar Biber gesehen, allerdings leider keine Beweisfotos, da die Biber zu schnell wieder weg waren.

Mein Highlight des Tages war ein Besuch des Birdly Ulms (https://www.ulmstories.de/de/der-traum-vom-fliegen/). Der Ganzkörper-Flugsimulator bringt jeden zum Abheben: Intuitiv und selbstverständlich steuert man durch Flügelschlag und -stellung Geschwindigkeit und Richtung des eigenen Flugs, entdeckt immer wieder Neues in der Ulmer Altstadt von 1890. Das war mein erstes VR-Erlebnis. Ich wusste die ganze Zeit, dass ich nur eine Brille aufhabe und in einem dunklen Raum bin, trotzdem wurden alle Sinne so gut getäuscht, dass mir nach dem 3-Minuten Flug schwindelig wurde. Kosten 5 Euro. An Wochenenden vier Wochen im Voraus ausgebucht ...

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Tag 6

Von Ulm nach Dillingen - ca. 70 km

Nach einem schnellen Kaffee zusammen mit Matthias, ging es für mich zunächst mit Frau Dr. Briechle-Mäck durch das Donaumoos, welches das größte zusammenhängende Feuchtgebiet Süddeutschlands ist, gelegen zwischen Ulm und Donauwörth.

In Günzburg angekommen, habe ich es mir nicht nehmen lassen, das LEGOLAND Deutschland zu besuchen. Schon als kleiner Junge war ich begeistert von Lego. Es gibt da diese Geschichte, als ich an Weihnachten neues Lego bekommen habe und so viel gebaut habe, dass ich am nächsten Tag mit einer Blutblase am Finger ins Krankenhaus musste.
Ich war zwar der einzige Erwachsene ohne Kinder, aber da ich selbst ein Kind bin, habe ich mich selbst begleitet. Mit über 25 Millionen Lego-Steinen wurden hier diverse Städte nachgebaut.

Am Horizont waren dunkle Wolken zu sehen, als ich mich auf den Weg nach Dillingen machte, ich bekam aber keinen einzigen Tropfen ab. In der Stadt angekommen, traf ich mich mit Hartmann Markus, der mir die Stadt zeigte. Im ehemaligen Schloß ist heute das Finanzamt untergebracht und viele Räume sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Gut, dass wir einen Mitarbeiter mit Schlüssel dabei hatten. So konnten wir in den Schlossturm und vor allem in die geheimen Gänge unterhalb des Schlosses, hier war selbst mein Stadtführer noch nie gewesen. Während Belagerungen konnten über den Tunnel Güter in die Stadt gebracht werden.

Mein persönliches Highlight war der Goldene Saal der Stadt. Im Jahre 1549 gründete Kardinal Otto Truchseß von Waldburg in Dillingen eine "Hohe Schule" zur Ausbildung seines katholischen Klerus. Diese wurde von Papst Julius III. 1551 zur Universität erhoben. Als im Jahre 1688/89 der neue Akadmiebau erstellt wurde, richtete man im Obergeschoß einen Kongregationssaal ein, der in den Jahren 1761-64 in den prunkvollen Formen des späten Rokoko ausgeschmückt wurde.

Und zum Tagesabschluß ging es noch auf das Straßenkünstlerfest für ein Bier. Es war gefühlt die ganze Stadt auf den Beinen. Fix und fertig, lag ich um 22 Uhr im Bett und bin sofort eingeschlafen ...

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Tag 7+8

Von Dillingen nach Bad Gögging - 130 km

Morgens wurde ich in Dillingen von Markus abgeholt, der mich die kommenden beiden Tage begleitete. In Donauwörth haben wir uns zusammen die Stadt angeschaut. Der Ort liegt im Nördlinger Ries. Das nahezu kreisförmige, flache Ries hebt sich auffällig von der hügeligen Landschaft der Alb ab. Erst 1960 konnte nachgewiesen werden, dass es Überreste eines etwa 14,6 Millionen Jahre alten Einschlagkraters sind, der während des Ries-Ereignisses entstand. Das Ries zählt zu den am besten erhaltenen großen Impaktkratern der Erde. 
Da WM-Finale war mussten wir uns spurten, um rechtzeitig zum Anpfiff vor dem TV zu sitzen. Schade, dass es Kroatien nicht geschafft hat ...

Nach einem ausgiebigen Frühstück, machten Markus und ich uns auf den Weg nach Neuburg a.d. Donau. Wo wir uns mit Achim von Ebike-Maass trafen. Schon von weitem ist die prächtige Schlossfassade mit den zwei markanten Rundtürmen zu erkennen. Die Stadt zählt zu den schönsten Renaissance-Städte Bayerns.

Atemberaubend ist auch die Strecke von Neuburg nach Ingolstadt, denn es geht durch die Donauauen. Auf ca. 20 km Strecke, eines der bedeutendsten Auwaldgebiete an der deutschen Donau. Die Auwälder sind Heimat für eine herausragend hohe Zahl an Tier- und Pflanzenarten: vom Biber bis zum Eisvogel. Mein Tipp: Ein Halt am Donau-Auen-Informationscenter lohnt sich.

In Ingolstadt angekommen ging es direkt ins RADHAUS Ingolstadt, hier hatte ich schon unzählige Vorträge und da durfte ein Besuch natürlich nicht fehlen. Für 90 Minuten ging es mit dem Team durch Ingolstadt. Fritz Reischl (Geschäftsführer vom Radhaus) überraschte mich dabei mit seinen unerschöpflichem Wissen über die Stadt und seine Geschichte. Danach wurde noch der Grill angeworfen und Achim und ich beschlossen noch 30 km bis nach Bad Gögging zu radeln, da es hier am nächsten morgen weiterging. So konnten wir eine Stunde länger schlafen ...

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Tag 9

Bad Gögging nach Regensburg - 60 km

In der Früh ging es zusammen mit Achim Maass erst einmal zur Entspannung in die Limes-Therme inkl. Wadl-Massage.

Doris führte uns anschließend erst durch ein ehemaliges Römerbad und dann durch ein Kastell. Das Römerkastell in Eining bei Neustadt a. d. Donau ist ein ehemaliges Kohortenkastell und Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes Limes. Die Überreste der Gebäude und Wehranlagen zeigen die wechselnden Strategien, mit denen die römischen Soldaten fast 400 Jahre lang die Nordgrenze des römischen Reiches sicherten. 
Die Römer waren übrigens die ersten, die die Fußbodenheizung erfunden haben.

10 km später erreichten wir das malerisch gelegene Kloster Weltenburg. Es liegt oberhalb des Donaudurchbruchs in einer Donau-Schlinge. Nach dem Morgenprogramm mussten wir uns erst einmal im Biergarten stärken. Da der Radweg an dieser Stelle die Donau verlässt und man keinen Einblick auf den Donaudurchbruch bekommt, beschlossen wir für ein paar Kilometer eine Zille (sehr flaches Boot) zu nehmen. Der Durchbruch ist eine Engstelle des Donautals und zu beiden Seiten ragen steile Felswände in die Höhe.

Mein Tipp: Unbedingt die 6€ (Fahrrad und Passagier) für die Zillenfahrt investieren, es lohnt sich!
Nach dem Ausstieg geht es für zwei, drei Kilometer kurz steil bergauf und dann standen wir vor der Befreiungshalle mit genialem Blick auf den Donaudurchbruch.

Die Befreiungshalle ist ein Denkmal auf dem Michelsberg oberhalb der Stadt Kelheim. Die von König Ludwig I. in Auftrag gegebene Gedenkstätte für die siegreichen Schlachten gegen Napoleon in den Befreiungskriegen 1813 - 1815 wurde im Jahr 1863 vollendet. 34 Siegesgöttinnen schmücken das Innere der Halle. Der Rundgang führt über drei Ebenen und ist sehr lohnenswert.

Bis wir in Regensburg ankamen war es bereits halb zehn, noch kurz ein gemeinsames Bier und ab ins Bett. Denn am nächsten Tag sollte Regensburg entdeckt werden ...

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Tag 10

Von Regensburg nach Deggendorf - 85 km

Direkt morgens um 08 Uhr ging es für mich erst einmal durch das Schloss St. Emmeram oder auch Schloss Thurn und Taxis, das mitten in der Stadt steht. Früher war das Schloß ein Kloster. Besichtigt werden können die Prunkräume des Schlosses mit Wandteppichen der Brüsseler Zeit und Inneneinrichtung aus dem Palais Thurn und Taxis in Frankfurt am Main. Erhalten geblieben ist ein Teil des Kreuzganges und angrenzende Gebäude aus dem ältesten Teil des Klosters.

Danach ging es noch per Stadtführung durch die Altstadt. Bei meiner Deutschland-Tour war ich bereits in Regensburg und habe mich mittlerweile total verliebt. Regensburg hat eine der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte und praktisch die gesamte Altstadt steht unter Denkmalschutz. Flanieren durch enge Gassen und das Gefühl habe in Italien zu stehen. 2016 war die Steinerne Brücke noch komplett eingerüstet, mittlerweile sind die Sanierungsarbeiten so gut wie beendet. Die Steinerne Brücke ist neben dem Regensburger Dom das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt. Mit dem Baubeginn 1135 ist sie die älteste erhaltene Brücke Deutschlands und gilt als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst. Bei ihrer Eröffnung war sie die einzige Donaubrücke zwischen Ulm und Wien und die einzige die aus Stein gebaut war, alle anderen Donaubrücken waren aus Holz.

Gemütlich ging es weiter nach Straubing, wo ich dem Gäuboden-Museum einen Besuch abstatte. Die Römer waren in der Gegend sehr aktiv und 1950 wurde hier der "Römer-Schatz" bei Aushubarbeiten gefunden. In einem Kupferkessel entdeckte man Gesichtshelme, Beinschienen und Rossstirnen, die typisch für römische Paraderüstungen waren. Auch Statuetten, Waffen und Werkzeuge befanden sich unter den Fundstücken. Der Straubinger Römerschatz zählt wahrhaftig zu den einzigartigsten seiner Art.

In Deggendorf traf ich mich kurz an der Strandbar mit Ihrer Hoheit, der Donaukönigin, dir mir dann erklärte, dass ich soeben über die längste Fahrradbrücke (456 Metern) Europas gefahren bin.

Übernachtet habe ich am Wild-Berghof Buchet in der Hyt, ein liebevoll umgebauter Bauwagen, der bis zur vier Personen beherbergen kann. Und zum Abendessen gab es das weltbeste Hirsch-Gulasch aus der eigenen Aufzucht ...

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Tag 11

Von Deggendorf nach Passau - 65km

Am Morgen ging es mit "Herzögin Agnes" durch die Deggendorfer Altstadt. U.a. lernte ich dabei über die Knödelwerferin. 1266 war die Stadt belagert (durch Ottokar von Böhmen) und die Böhmen versuchten die Stadt auszuhungern, in dem sie einfach warteten, bis die Vorräte in der Stadt zu neige gingen. Als nach wochenlangem Warten und gegenseitigem Belauern die Lebensmittel tatsächlich knapp geworden waren, erklomm ein feindlicher Spion die Stadtmauer. Sobald der Böhme über die Mauer lugte und erwartete, geschwächte Verteidiger vorzufinden, traf ihn ein großer Knödel im Gesicht, so dass er den Halt verlor und in den Stadtgraben fiel. Eine treusorgende Ehefrau, die ihrem Mann aus Vorratsresten geformte Knödel auf die Stadtmauer bringen wollte, hatte den Spion bemerkt und geistesgegenwärtig gehandelt. Ihr Wurf rettete die Stadt vor weiterer Belagerung und Übergabe, da der Kundschafter wahrheitsgemäß berichten musste, dass die Stadtbewohner noch über soviel Essen verfügten, dass sie damit werfen konnten. Ottokars Truppen zogen resigniert ab.

Die Strecke nach Passau war sicherlich nicht die spektakulärste der Reise, aber ich kann auch nicht erwarten auf 3.000 km jeden Tag durch Naturwunder zu fahren.

Nach knapp drei Stunden Fahrzeit kam ich in der Drei-Flüsse-Stadt Passau an. Hier treffen der Inn, die Ilz und die Donau zusammen. Von der Breite und geführten Wassermenge müsste der Fluß ab Passau eigentlich Inn heißen, da die Donau aber beim Zusammenfluss knapp 100 km länger ist als der Inn, heißt der Fluß Donau.

Bei drei Flüssen kann sich jeder vorstellen, dass die Stadt des Öfteren mit Hochwasser zu kämpfen hat, besonders in der Altstadt. Das Hochwasser 2013 in Passau war die zweitschlimmste Flutkatastrophe in der Geschichte der Stadt. Die Altstadt und weitere Teile des Zentrums waren großflächig überflutet. Die am Abend des 3. Juni gemessene Donau-Höchstmarke von 12,89 Meter überschritt dabei sogar deutlich die des sogenannten Jahrhunderthochwassers von 1954 (12,2 Meter) und blieb nur knapp unter der Höchstmarke des Hochwassers von 1501 (ca. 13,2 Meter); normal für die Jahreszeit wäre ein Pegelstand der Donau bis zu 4,50 Metern gewesen.

Abends ging es noch mit Florian Noé auf seiner Zille durch Passau. Er ist einer von zwölf Apostell-Fischer in der Stadt. Im 12-Apostel-Fischwasser besitzen zwölf Fischer, die zwölf Apostel genannt, das ausschließliche Fischereirecht. Dazu gehört auch, dass sie über die Weitergabe dieses Privileges oder die Nachfolge selbst entscheiden dürfen, obwohl das Fischwasser dem Heiliggeiststift gehört.

Die Apostelfischer in Passau können auf eine 450-jährige Geschichte zurückblicken. Das Fischereirecht wird immer an den ältesten Sohn weitergegeben, sollte es einmal keinen Nachfolger in der Linie geben, wählen die verbliebenen elf, einen 12 Fischer. Bis ich im Bett war, war es bereits 23 Uhr, meine letzte Nacht in Deutschland, denn am nächsten Tag sollte ich Österreich erreichen.

Ganz besonderen Dank an dieser Stelle an das Team der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Donau, das mich auf der Etappe durch Deutschland tatkräftig unterstützt hat!

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..die gesamte Reise entlang der Donau kann auf Facebook verfolgt werden :)